ASBH Bereich Hamburg e.V.

Gemeinsamkeit macht Mut



Kleines Tagebuch einer spannenden Reise

Am 7. März trafen wir am entlegenen Hintersee bei Ramsau nach einer langen Autofahrt ein. Das Haus lag romantisch an einer kaum befahrenen Straße direkt am See und verfügte über einige rollstuhlgerechte Zimmer. Besonders schön war der Ausblick auf den See mit dem atemberaubenden Alpenpanorama. Morgens war es ein Genuss, die ruhige Landschaft zu betrachten. Mal spiegelten sich die Berge klar im See, mal hingen dichte Nebelschwaden über dem See - märchenhaft idyllisch!

Glücklicherweise gab es in dem Haus auch eine Turnhalle, die wir nutzen konnten, sowie Billiardtisch, Kicker und Tischtennismöglichkeiten. Im Aufenthaltsraum, auch "Jagdzimmer" genannt, trafen wir uns abends zum gemütlichen Beisammensein.

Geplant war, dass der Monoskikurs in unmittelbarer Nähe des Hauses durchgeführt werden sollte. Der strahlende Sonnenschein (18-20° C) hatte uns zwar zu guter Laune und Urlaubsbräune verholfen, aber auch den Schnee schmelzen lassen. Also mussten wir auf die österreichische Loferalm ausweichen. Da auch die Straßen kurz vor dem Ziel vereist und rutschig waren, haben sich einige zu wahren Schneekettenspezialisten entwickelt. Das Skigebiet hatte sich als idealer Glücksgriff für unser Vorhaben herausgestellt.

Am Samstag trudelte ein Großteil unserer Crew nach und nach ein. Herbert, Skilehrer und selbst Rollstuhlfahrer, brachte mit seinem Anhänger die restlichen Skigeräte mit. Nach dem Abendessen haben wir dann die Anpassung der Skigeräte vorgenommen und Herbert und Jens mussten noch einige Veränderungen austüfteln.

Womit beginnt man einen Skitag, nachdem die Teilnehmer alle ordnungsgemäß in ihren Monoskigeräten sitzen? Richtig, mit dem Aufwärmen! Statt Skistöcken gibt es beim Monoski zusätzliche "Handskier", sogenannte Krückenski. Um das Gleichgewicht zu trainieren und sich aufzuwärmen, wurden damit einige Übungen gemacht. In eingeklappter Parkstellung kann man mit den Krückenskiern den Monoski auch bergauf leicht anschieben. In ausgeklappter Rennstellung kann man "Speed" aufnehmen und die Richtung bestimmen, unterstützt mit dem Körpergewicht. Die Aufgabe der Eltern bestand hauptsächlich darin, die Kinder und Jugendlichen wieder bergauf zu schieben, da dies am ersten Tag ohne Benutzung von Liften zu energieaufwendig gewesen wäre. Selbstverständlich gab es ein paar Stürze mit ein paar blauen Flecken, ernsthaft wehgetan hat sich aber niemand. Für die Begleiter war dieser erste Tag durch das Schieben und Helfen relativ anstrengend, aber die größeren Kids machten ihre Sache gleich sehr gut und bei den kleineren Skigeräten erleichterten Haltebügel die Arbeit der Helfer.

Während die Monoskifahrer die ersten Übungen absolvierten, übten sich Alena und einige der Geschwisterkinder im Abfahrtslauf und im Snowboarden.

Eine weitere Besonderheit war das Skigerät von Alexander, ein sogenanntes Bi-Ski-Gerät, das mit zwei Skiern ausgerüstet ist und zwei kleine seitliche Ausleger hat, so dass man damit nur durch die Verlagerung des Körpergewichts und ohne Krückenski fahren kann. Das hat bei Alexander, dem kleinsten Kind der Gruppe, auch gleich gut geklappt.

Herbert und Jens haben den Kindern das Skifahren schon an diesem ersten Tag so gut vermittelt, dass der Spassfaktor groß war und sich alle auf den nächsten Tag gefreut haben.

Am zweiten Tag wurde neben dem ersten Herunterfahren auch das Liftfahren geübt. Bis die Fahrer dabei die nötige Sicherheit haben, ist es nötig, dass sie während des Liftens durch ein Band mit dem Begleiter verbunden sind. Während Christine beim Einsteigen half, stand beim Ausstieg Dieter bereit, um bei Problemen zur Stelle zu sein. Nun waren alle Skifahrer gefordert, den etwas steileren Abhang zu meistern. Während alle mit Skifahren beschäftigt waren, haben Heino, Dieter und ich für das "Bildmaterial" gesorgt.

Am Mittwoch war dann der sogenannte Ruhetag, den die meisten in Berchtesgaden verbrachten, um dort gemütlich zu schlendern und zu shoppen und Gaumenfreuden zu genießen. Oder sie verbrachten den Nachmittag dort im Schwimmbad, der Watzmanntherme.

Die letzten beide Tage beschlossen wir, schon etwas früher auf die Piste zu gehen, da die Sonne immer intensiver, der Tag immer wärmer und der Schnee immer sulziger wurde. Da Herbert uns schon am Dienstag verlassen hatte, rückte Torben als "Kurvenführer" an seine Stelle. Die Gespanne Burckhard mit Alexander, Astrid mit Anton, Jens mit Anna-Lotta, Jaqueline mit Josi und Monika mit Andrea trainierten immer wieder das Herunterfahren auch mit Kurvenführung. Langsam aber sicher benötigten die Kinder immer weniger Hilfe von ihren "Beifahrern" und trauten sich immer mehr selber zu. Die ersten fuhren bereits ganz ohne Hilfe herunter - und sogar bald auch ohne Lifthilfe. Es ist erstaunlich, wie schnell alle Kinder und Jugendlichen so große Fortschritte gemacht haben.

Am letzten Tag gab es für alle ein spannendes Abschlußrennen auf einer von den Skischulen gesteckten Rennstrecke. Wir fuhren schon früh los, damit die Kinder noch einen Trainingsdurchgang machen konnten. Am Vorabend hatten wir schon Medaillen aus Mozarttalern gebastelt und uns Urkunden für die Kinder von der Skischule besorgt.

Alle Teilnehmer bekamen eine Startnummer und fuhren mit großer Begeisterung den Rennlauf herunter. Die Kinder ernteten reichlich Applaus und glücklicherweise stürzte keiner. Die gestoppten Zeiten waren bis zur Siegerehrung top secret! Dann war noch freies Fahren angesagt. Nach dem Mittagessen war die erste ASBH-Skischule zu Ende und allgemeiner Aufbruch.

Allen hat es viel Spass gemacht und wir freuen uns schon aufs nächste Jahr.

Marlies Nabil