ASBH Bereich Hamburg e.V.

Gemeinsamkeit macht Mut



Wenn einer eine Reise tut ...

... und dann auch noch das erste mal in den Schnee fährt, keine Ahnung vom Skilaufen hat (oder heißt es fahren?) und dann unsere Tochter A. mit Monoski (was auch immer das ist), da ist die Spannung vorprogrammiert. Die wichtigsten Sachen sind dabei: warme Kleidung und Schneeketten.

Nach langer Fahrt und unzähligen Kurven tauchen wir plötzlich nach einer dieser Serpentinen in die Postkarte ein, Wirklichkeit sieht anders aus. Vergessen ist C.s schlaflose Nacht aufgrund der Hotelpreise der Zwischenübernachtung, vergessen ist der letzte Stau auf der Autobahn, vor uns liegt der Hintersee mit unserem Quartier so malerisch, das muss ein Traum sein.

Schnee liegt hier zwar keiner mehr, aber bei unserer Ankunft ist J. bereits unterwegs, ein Schneegebiet in Österreich zu erkunden. Am Samstagabend werden noch die Monoskigeräte angepasst, sodass wir am Sonntagmorgen sofort nach Lofer (so heißt der Ort in Österreich) aufbrechen können. Nach einem kleinen Aufenthalt beim Skiverleih u.ä. geht es dann mit Sondergenehmigung in Richtung Lofer-Alm (in die Gondel der Seilbahn hätten wir mit den Rollis auch gar nicht hineingepasst.

Nachdem wir die Mittelstation der Seilbahn (hier muss man von einer in die andere Seilbahn umsteigen) passiert hatten wurde die „Serpentine über Serpentine und das ganz Steil-Strecke“ langsam immer glatter. Wir gerieten in den Schnekettenaufziehkommando-Bereich. Nachdem dann auch das letzte Fahrzeug die letzten Eisplatten überwunden hatte, konnten wir mit dem Abenteuer „Monoskikurs“ beginnen.

Jetzt muss ich mal ein wenig zu Herbert berichten. Herbert ist querschnittsgelähmt und Monoskifahrer. Er ist zu uns gekommen, um J. zu helfen und den Kurs anzuschubsen. Eigentlich wollte er mit der seinen kommen aber dann hätte er früher zurückgemusst, so hat er sich bis Dienstagmittag für uns Zeit genommen, weil Herbert für die Jugend Bayerns zuständig ist und er mit einem Enthusiasmus bei der Sache ist, mit einer Power, einfach spitze.

Herbert hat dann auch dafür gesorgt, dass wir die nächsten Tage ab der Mittelstation mit der Gondel (70 cm Türbreite, ohne Mittelstange) auf die Alm fuhren und hat auch dieses allen vorgemacht. Überhaupt, durch die Vorbildtätigkeit von Herbert sind m.E. unsere Kinder mit sehr viel Mut und Ergeiz an die Sache herangegangen.

Weiter ist Herbert einfach ein pfundiger Typ, er spricht mit den Menschen die gerade um ihn herum sind, erklärt Techniken der Monoskigräte u.v.a.m., er öffnet Türen und Herzen. Bei Herzen muss ich jetzt mal die Menschen ansprechen, mit denen wir auf der Piste zu tun hatten. Das sind die Männer von der Seilbahn, vom Lift, die Menschen vom Skiverleih und von den Skischulen. Ich habe selten eine durchgängig hilfsbereitere, freundlichere und interessiertere Truppe erlebt als diese Menschen in Lofer/Österreich. So war es selbstverständlich, dass wir beim Lift immer sofort drankamen ebenso wurden ohne Nachfrage Rollis und Geräte in die Gondeln verladen und es war immer ein freundliches Wort für uns dabei.

Wie bei einer Skischule üblich, wird am letzten Tag ein kleines Rennen ausgetragen, natürlich auch bei uns. Die Skilehrer ließen uns auf den von ihnen abgesteckten Parcours fahren, statteten uns mit Startnummern und Urkunden aus und luden uns zuguterletzt zu ihrer Party ein. Soviel nur zur Stimmung in Lofer. Über die einzelnen Tage und die wahnsinnigen Fortschritte des Skikurses will ich mich nicht näher auslassen, nur soviel, jedem einzelnen Teilnehmer gehört mein allerhöchster Respekt, hierin einbezogen selbstverständlich auch J., der glaube ich durch nichts aus der Reserve zu locken ist und der mangels meiner skifahrerischen Fähigkeiten A. zur Solofahrerin per Monoski geführt hat. Danke.

Übrigens, wir haben einen kleinen Film unserer Schneeabenteuer mit anschließender Siegesfeier gedreht, Neugierige sind willkommen. Aber, was ist ein Reisebericht ohne ein Happy End? Unser persönliches war nach überstandenem Stau bei München und danach freier Fahrt über Nürnberg, Würzburg, durch die Rhön bis Kirchheim. Nur eigentlich wollte ich abends in Hamburg nett beim Italiener sitzen, so als krönenden Abschluss. Naja, Autos haben eben auch eine Seele und das unsere wollte halt Pause machen und fuhr dann huckepack mit dem ADAC nach Hamburg. Zum Italiener gehen wir halt ein anderes mal.

Dieter Jahn