ASBH Bereich Hamburg e.V.

Gemeinsamkeit macht Mut




Jesus

D., damals 9 Jahre alt, musste für zwei Tage zur Hormonuntersuchung ins Altonaer Kinderkrankenhaus. Ihr sollte ständig Blut abgenommen werden, um die Hormonwerte zu bestimmen. Dazu war es erforderlich eine Braunüle zu legen.

Normalerweise nichts Dramatisches. Aber eben nur „Normalerweise“. D. gibt nicht gerne ihr Blut her, geschweige denn ihre Venen.

Das ist mir bekannt, das ist D. bekannt. Ich war somit gut vorbereitet auf diese Untersuchung – dachte ich – und prophezeite ihr maximal zwei Einstiche und diese auch nur mit einem „Zauberpflaster“ (ein Pflaster, dass die Hautstelle ein wenig betäubt, aber auch, wie sich später herausstellte, das Finden der Vene wesentlich erschwert oder unmöglich macht).

Und genau zu dieser Untersuchung kam mal wieder alles anders. Die Venen versteckten sich, gaben sich nicht zu erkennen und sobald die Nadel einstechen wollte, flutschten sie wendig und geschickt zur Seite. Wenn ihre Venen sprechen könnten, hätten sie gerufen: „Ätsch, blöde Nadel, Du kriegst mich nicht!“. Hat die Nadel dann letztendlich doch getroffen und „gewonnen“, gab sich die Vene noch nicht „geschlagen“ und zeigte der Nadel ´ne „lange Nase“ und platzte einfach weg.

Je mehr Einstiche notwendig waren, desto verzweifelter wurde ich, weil sich meine optimistische, kühne und vielleicht naive Prophezeiung von max. zwei Einstichen, immer mehr in Luft auflösten und D. sah´ mich mit jedem Einstich immer fragender an. Zu guter Letzt hatte sie mehrere Einstiche in der Armbeuge und dennoch erfolgsbringende Einstiche auf beiden Handrücken.

Schweigend, und ich, mit einem schlechten Gewissen, fuhren wir nach Hause. Dann sah sie mich an, hob´ ihre Arme, begutachtete sie und sagte, mit beiden Pflastern auf den Handrücken versehen: „Kuck ´mal, ich sehe jetzt aus wie Jesus!“