ASBH Bereich Hamburg e.V.

Gemeinsamkeit macht Mut




Skoliose-OP

Markos Operation - 11.07.2012

Die Nachricht traf uns wie ein Schock! OK, wir haben gemerkt, dass Marko schiefer geworden war. Er saß meist nur noch auf einer Pobacke. Aber, dass eine OP nötig sein würde, damit hatten wir nicht gerechnet.
Niedergeschlagen fuhren wir von dem Arzttermin nach Hause. Marko war am Boden zerstört. Er hatte sich für die U19-Basketballnationalmannschaft qualifiziert. Seine Pläne waren, auch irgendwann in der U22 Nationalmannschaft zu spielen! Wie würde es mit dem Basketball werden? Konnte er nach einer Begradigungs- und Versteifungs-OP überhaupt noch spielen? Jetzt begann die Suche nach dem geeigneten Krankenhaus. Bei Spina bifida muss man auch das Tethered Cord im Auge haben! Eine Klinik meinte, das müsste zuerst operiert werden, sonst könnte es bei der Streckung zu Komplikationen führen. Dies bedeutete, dass sogar zwei OPs nötig würden! Keiner aber sagte uns das, was wir eigentlich hören wollten, nämlich, dass die OP nicht nötig sei!

Langsam gewöhnten wir uns an den Gedanken. Es gab gute Tage und es gab schlechte. Ein Vorteil war, dass ein guter Bekannter die gleiche OP bereits überstanden hatte. Er durfte nach einem halben Jahr wieder spielen. Daran klammerte sich Marko.
Nach reichlicher Überlegung haben wir uns entschieden, die OP im Altonaer Kinderkrankenhaus durchführen zu lassen. Marko wurde im Januar 2012 für drei Tage stationär aufgenommen und durchgecheckt. Einige Wochen später bekamen wir den Termin: 11.07.2012!

Am 10ten ging ich mit Marko ins Krankenhaus. Da bekamen wir die nächste unangenehme Nachricht. Das Team hatte sich entschieden, Marko von 2 Seiten zu operieren. Der Eingriff wird von der Seite und von hinten durchgeführt. Statt der 5 Stunden, setzte man 7 an. Es wurden 10! Morgens um 7.30 Uhr gab ich ihm vor dem OP ab und um 18.00 Uhr war er auf der Intensivstation. Zwischendurch ließen die Ärzte immer wieder anrufen, dass alles ok ist, es aber doch länger dauert. Ich sollte mir keine Sorgen machen. Der Kontakt zu den Ärzten und die Informationsweitergabe war sehr gut!
Die OP verlief gut und die Ärzte waren sehr zufrieden. Vor allem weil Marko so sportlich war, hatte er diese vielen Stunden unter Narkose und den Eingriff so gut überstanden. Sein Kreislauf war immer stabil gewesen und er musste auch nicht beatmet werden. Jetzt war Erholung angesagt! Marko musste wieder zu Kräften kommen und die Wunde musste heilen und der Knochen sich langsam aufbauen. Es schien, als ob er über Nacht 10 Kilo an Gewicht verloren hätte. Er war grausig dünn geworden. Den OP-Termin hatten wir extra vor die Sommerferien gelegt, so dass ihm nicht so viel Schulzeit fehlte. Er wollte ja 2013 seinen Realschulabschluss machen. Die sechs Wochen benötigte er auch! Erst zum Ende der Ferien konnten wir mal eine kleine Unternehmung wagen. Vorher war er viel zu schwach. Ab 18.00 Uhr war er müde und kaputt. Er benötigte viel Schlaf. Blase und Darm waren zum Glück nur kurz nach der OP in Unordnung. Der Darm nur eine Woche, die Blase brauchte durch den Dauerkatheter vier Wochen. Er hatte sich auch noch einen Blaseninfekt eingefangen. Die erste Schulwoche war sehr anstrengend. Marko kam jeden Tag mit Kopfschmerzen nach Hause. In der zweiten Woche fuhr seine Klasse auf Abschlussfahrt nach Prag. Da hatten wir ihn aber schon abgemeldet. Er hätte sie Fahrt kräftemäßig nicht überstanden. Wir entschuldigten ihn und ließen ihn zu Hause. Er brauchte auch nicht in eine andere Klasse. Jeden Tag ging er gegen 20.00 Uhr ins Bett und schlief bis 9.30 Uhr! Dann war es irgendwie überstanden. Die Schule fiel ihm leichter und er konnte auch abends mal wieder etwas länger aufbleiben. In den Herbstferien unternahmen wir ein Städtereise nach Berlin und da war er wieder der alte. So lange aber hat es gedauert! im Januar, ein halbes Jahr nach der OP, hatten wir den ersten Kontrolltermin.

Die gute Nachricht war, dass alles gut am Verheilen war. Die Narbe sah gut aus, es war alles fest und die Schrauben nach wie vor da, wo sie auch hingehörten, Knochenmaterial bildete sich.
Die schlechte Nachricht war, er sollte noch kein Training machen! Der Aufbau der Knochen war noch nicht so weit, als dass eine derart starke Belastung wie der Leistungssport möglich gewesen wäre. So die Aussage der Ärzte. Marko war am Boden zerstört. Er fühlte sich wieder stark genug, durfte aber nicht! Handbiken war ok, aber da hatte er leider nicht so viel Lust zu. Der Winter war auch lang und kalt, so dass er kaum mit dem Rad fuhr.

Im Sommer schaffte er aber dafür den erweiterten Realschulabschluss und eine Lehrstelle zum Kaufmann im Gesundheitswesen hatte er auch. Trotzdem war das 10te Schuljahr für uns alle sehr anstrengend. Ein Halbstarker mit viel Zeit und Sportverbot in einem Jahr, in dem auch der Mai noch fast ein Wintermonat war, ist nur schwer zu ertragen!

Der Kontrolltermin im Juli verlief dann aber ganz nach Markos Wünschen! Es war nach wie vor alles in Ordnung, aber er bekam jetzt das OK für den Sport! Auf Wolke 7 schwebte er aus der Klinik. Da war es auch egal, dass Hamburg Ferien hatte und die Mannschaft zurzeit gar nicht trainierte!

Abschließend kann ich nur sagen, dass der Zeitpunkt der OP gut war. Das eine Jahr ohne Sport war für einen Sportler wie Marko sehr sehr hart! Aber er hat es geschafft. Ob er natürlich noch mal den Sprung in die Nationalmannschaft schafft, bleibt abzuwarten. Seit dem ersten August macht er seine Ausbildung. Er hat im Augenblick nicht viel Zeit, geht aber regelmäßig zum Training. Natürlich schafft er es im Augenblick noch nicht, zwei Mal in der Woche zu trainieren, aber das kommt bestimmt auch wieder, wenn er sich an die Umstellung, den ganzen Tag zu arbeiten, gewöhnt hat.

Wir wollen mit unserem Bericht anderen, die diese OP noch vor sich haben, Mut machen. Wir hatten alle sehr viel Angst, aber im Nachhinein war es gar nicht soo schlimm! Hart und anstrengend, aber nicht so schlimm, wie wir befürchtet hatten. Wie die Kontrollen weiterhin verlaufen und sich alles verwächst, steht natürlich in den Sternen. Aber, wer weiß denn schon, was die Zukunft bringt.