ASBH Bereich Hamburg e.V.

Gemeinsamkeit macht Mut



„An Ihrem Gangbild müssen sie noch arbeiten!“ – Eine wahre Anekdote aus dem Krankenhaus

Es ist erst ein paar Jahre her. Ich musste wegen einer notwendigen OP einen mehrtägigen Krankenhausaufenthalt über mich ergehen lassen. Drei Tage nach der OP war ich wieder so fit, dass ich mein Zimmer verlassen konnte und erste Gehversuche auf dem Stationsflur wagte. Natürlich waren die ersten Schritte etwas wackelig, was bei uns Spina bifida – Leuten generell keine Seltenheit ist. Ich war jedenfalls sehr glücklich, dass ich mich wieder bewegen konnte und nicht noch länger im Bett liegen musste.

Auf dem Flur kam mir eine der diensthabenden Schwestern entgegen. Sie sah mich, sah meine ersten Gehversuche nach der OP und sagte prompt: „Na, also an Ihrem Gangbild müssen wir noch arbeiten!“. Das hatte gesessen. Genauso spontan wie sie meine ersten Schritte kommentierte, sagte ich im Vorbeigehen: „Das wird nicht besser. Das ist angeboren!“

Erst nachdem ich meine Gehversuche beendet hatte, wurde mir bewusst, dass die Schwester höchstwahrscheinlich meine Grunderkrankung nicht kannte und mich vor der OP nicht Laufen sehen hat. Wäre das der Fall gewesen, wäre ihr mein Gangbild vermutlich nicht so aufgefallen. Vermutlich hat die Schwester bis heute nicht verstanden auf welche Situation sich mein Kommentar bezog.

Ich war sehr glücklich das ich eine Woche später das Krankenhaus verlassen konnte und das trotz meines nicht ganz flüssigen Gangbildes. Ebenso froh war ich, dass die Schwester davon abgesehen hat, mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln mein Gangbild zu verbessern. Das wäre wahrscheinlich eine nicht endende Therapie ohne entsprechende Erfolgserlebnisse geworden. Die Hauptsache ist, dass ich mit meinem Gangbild zufrieden bin. Und das bin ich!

T.B., April 2009